Nik: Wie hat das mit den DISASTERS angefangen?Wann?Wo?Wie?
Martin: Irgendwann ’99 haben wir angefangen unsere schon seit längerem existierenden Pläne eine Band zu machen umgesetzt. War alles noch sehr unbeholfen und chaotisch. Ich konnte noch gar nicht richtig Schlagzeug spielen, wir hatten keinen Proberaum, fast keiner von uns hatte irgendwelche Banderfahrung. Zu Beginn hatten wir dann auch noch mehr Umbesetzungen als Proben, aber als wir dann Probezeit im lokalen Jugendzentrum bekamen, stellte sich auch eine feste Besetzung ein. Anfang 2000 bezogen wir zusammen mit der Band GOLDEN COCKRING einen eigenen Proberaum und unser erstes Konzert war dann im Oktober 2000. Zugetragen hat sich das alles im Kleinstädtchen St.Tönis, am Rande der grauen “Metropole” Krefeld…
Nik: Was waren anfangs deine Einflüsse/Idole?
Martin: Hu, schwere Frage – Meine Einflüsse damals? Ich weiß nicht mehr… kann vor allem nicht sagen, dass davon etwas in die Musik der DISASTERS eingeflossen ist. Ich bin ja nur der Schlagzeuger. Damals haben wir eigentlich alle viel “Streetpunk” gehört. Das war ja damals modern. Hat sich mittlerweile aber auch stark geändert und ausdifferenziert. Die Inspirationen einfach mit ein paar Freunden mal eine Band zu machen und zu probieren, was daraus wird, auch wenn’s am Anfang schlecht ist, das ist ja mehr so ein generelles Ding bei Punk-Musik – “Geh raus, mach, was du machen willst und beschwer dich nicht, wenn’s keinem gefällt!” Nun Idole, das hört sich so nach Bewundern und Vergöttern an. Ich glaub, so was hatte und habe ich nicht. Es gibt ein paar Menschen, die ich achte – wegen ihres Lebenswerks, ihrer Einstellung oder der Inspiration, die sie für mich bedeuten. Im Bereich von Punk und Musik, sind das z.B. die STIFF LITTLE FINGERS, Jello Biafra von den DEAD KENNEDYS oder NEW MODEL ARMY, TV Smith…oder auch einfach nur viele Menschen, in meiner unmittelbaren Umgebung. Menschen die sich durch Aufrichtigkeit und Achtung vor anderen Menschen auszeichnen. Aber das sind genauso Menschen wie du und ich. Jeder sollte sein eigenes Idol sein…
Nik: Und was sind deine Wurzeln (bzw.: hast du früher schon mal in andren Bands gespielt?
Martin: Wie oben schon gesagt, habe ich erst für die DISASTERS mit dem Schlagzeugspielen angefangen und deshalb vorher noch in keiner Band gespielt. Aber ich war in der Grundschule im Schulchor.
Nik: Es gibt ja Leute die eure Frontfrau schlecht finden weil sie so `rotzig´ ist, andere finden sie aus dem selben Grund gut. Was sagt ihr zu so was (Im Ox z.B.: Jungs, schmeißt die Frontfrau raus!)?
Martin: Nun, man kann es sowieso nicht allen recht mache, sollte man auch nicht versuchen. Christine singt wie sie singen will und kann und ich find’s gut. Wenn es jemand nicht passt kann er ja rausgehen oder ausmachen. Die Kritik im OX fand ich schon überzogen und hat ja Christine persönlich und nicht nur wegen ihres Gesangs angegriffen, dass fand ich scheiße. Wie gesagt, jeder hat dass Recht, das es ihm nicht gefällt und kann das auch sagt. Damit habe ich kein Problem. Aber die Art und Weise, wie das im OX geschrieben wurde, war unverschämt. Aber damit halte ich mich auch nicht lange auf. Es gibt wichtigeres, als sich mit der Meinung anderer auseinander zusetzten.
Nik: Ihr hattet ja schon mal eine Frau in der Band, irre ich mich? Und was hatte die dann gespielt?
Martin: Ja, bis Anfang 2002 hatten wir zwei Sängerinnen. Da hat Nina noch mit Christine zusammengesungen.
Nik: Eure ersten 2 `Veröffentlichungen´ waren ja beide Demos, warum denn das?
Martin: Ist doch eigentlich relativ normal, dass man als unbekannte Band erstmal mit einem Demo anfängt. Das erste Demo, ist auch ehr zufällig entstanden. Direkt bei unserem ersten Auftritt. Super Aufnahmequalität, aber natürlich musikalisch noch wenig ausgereift und halt live. Das war noch nicht so wirklich das Wahre. Das 2.Demo haben wir dann gemacht, als Nina und Hans ausgestiegen sind. Wir wollten nicht direkt was ‚offizielles’ machen, sondern uns lieber Zeit lassen, bis es wirklich gut ist. Und so können wir mit unserer Single jetzt auch restlos zufrieden sein, denke ich.
Nik: Ich hab schon oft gehört dass die Szene in Düsseldorf irgendwie grad stillsteht und es keinen gescheiten ort gibt wo man sich treffen kann. Ist das wahr oder nur Quatsch?
Martin: Ich glaube da bist du falsch informiert. Also in Düsseldorf gibt es schon einige Läden, z.B. das AK47, wo schon seit Ur-Zeiten regelmäßig Punkkonzerte zu fairen Preisen über die Bühne gehen. Dann mach der Nico von Beer and Music-Entertainment haufenweise Konzerte in verschiedenen Läden mit teilweise recht namenhaften Bands, so dass man zum Teil etwas übersättigt ist. Es gibt Bands, Labels, einen Plattenladen, ein Linkes Zentrum…eigentlich auch viele Leute, das Ruhrgebiet und Köln sind nah. Ich denke in Düsseldorf kann man sich, was das angeht, nicht beschweren.
Nik: Wie stehst du zu so genannten politischen Bands?
Martin: Also das kann ich so allgemein nicht sagen. Der Musikantenstadl ist meiner Meinung auch hochpolitisch: Gerade in dem er die Leute einlullt und ihnen irgendwie eine kitschige, heile Welt vorgaukelt. Da werden ja auch ganz bestimmte Werte – meist konservative bis reaktionäre – vermittelt. Zwar nur unterbewusst und nicht direkt, aber dass scheint ja offensichtlich besser zu funktionieren als noch so wachrüttelnde eindeutige politische Texte. Oder das Chart-Gedudel, oder Nazi-Bands, auch politisch… Aber du meintest ja wahrscheinlich Punk-Bands, die hauptsächlich linke, anarchistische oder was auch immer für politische Aussagen in ihren Songtexten haben. Nun, da kommt’s auch drauf an, wie dass gemacht ist. Das zehnte Mal mehr oder weniger gleichförmig zu hören, das der Staat doof ist und alle Politiker und Bonzen und die Industrie und einfach alle immer nur alles falsch machen und man da voll dagegen ist, find ich langweilig. Andererseits besteht ja auch immer die Schwierigkeit komplexe, politische Themen, bei denen eben nicht alles einfach und schwarz-weiß ist, angemessen in die zwei bis dreieinhalb Minuten zu stopfen, die man in einem Song zur Verfügung hat. Positive Beispiele sind da z.B. BUT ALIVE oder die DEAD KENNEDYS. Wenn’s gut gemacht ist, dann muss ich auch nicht mal mit der Meinung, die in den Texten vertreten wird, übereinstimmen. Im Endeffekt, kommt es aber für mich vor allem drauf an, dass man dem Text anmerkt, dass sich jemand mit etwas auseinandergesetzt hat und etwas Intelligentes und Eigenes zustande gebracht hat. Das da Kopf und Herz drin sind und nicht einfach nur irgendwelche Phrasen und Klischees runtergedrescht werden. Ob das jetzt was lustiges, politisches, persönliches, ein Liebeslied oder was auch sonst für eine Schublade aufmachen will, ist, darauf kommt es nicht unbedingt an. Interessant sind vielleicht auch Texte, die mehrere Aspekte abdecken und sich nicht so einfach in eine Schublade stecken lassen.
Nik: Schreibt ihr auch manchmal politische Lieder?
Martin: Ja, so gesehen schon. Obwohl, politisch klingt schon so definiert. Mit einer festen Ideologie im Hinterkopf, nach der man die Welt deutet. Ob dass nun Links, Rechts oder Mitte ist, so was haben wir nicht. Wir behandeln aber in einigen unserer Texte schon gesellschaftliche und politische Themen.
Nik: Was für Dimensionen haben denn so eure Konzerte?
Martin: Das ist unterschiedlich. wir haben schon vor 7 Zahlenden gespielt, von denen dann auch noch 5 am Kicker im Vorraum standen. Andererseits waren auch schon mal 200 oder noch mehr Leute da. Dann aber meistens nicht alle wegen uns…Normal sind so 50 bis 100 Leute.
Nik: Nur mal so, Habt ihr schon mal mit irgendeiner “Großen´´ Band gespielt?
Martin: Ab wann geht denn “groß” los? Zwei Meter? Nein, im Ernst: D.O.A. aus Kanada, Duane Peters and the Hunns aus USA, die alten Recken Chelsea aus England und die Real McKenzies ebenfalls aus Kanada dürften eigentlich den meisten geläufig sein. Aber auch wenn es schön ist, dass bei solchen Konzerten viele Leute kommen, ist es für mich nicht so wichtig wie “groß” eine Band ist, sondern zu erst mal, wie sympathisch. Aber in der Hinsicht, kann man sich bei dem Großteil der Bands, die ich oben genannt habe, nicht beschweren. Waren eigentlich fast alle super nett und mehr auf dem Bode geblieben als so manche Schülerband, die gerade ihr fünftes Konzert spielt.
Nik: Was macht ihr denn Hauptberuflich?
Martin: Keiner von uns arbeitet wirklich. Wir sind alle vier Studenten und nur Lucas arbeitet nebenher noch in irgendeinem Schraubenlager.
Nik: Möchtest du mit der Band irgendwann mal auch ‘nen Majordeal kriegen, oder bist du mit dem jetzigen “Status der Band ´´ zufrieden?
Martin: Erste Frage: Nein, möchte ich nicht. Meine Band soll mein Hobby bleiben. Meine liebste Eisenbahn – wie Micha (Drummer der Schwarzen Schafe) sagt. Es ist schön wenn ein bisschen Geld reinkommt um Aufnahmen und andere Kosten zu bezahlen, aber mehr muss nicht sein. Ich habe keine Lust Teil der Unterhaltungsindustrie zu werden, wie dass ja z.B. gerade die Distillers werden. Mit dem Statuts, also der momentanen Situation der Band bin ich recht zufrieden. Obwohl ich da auf jeden Fall noch die Möglichkeit zur Verbesserung in allen Belangen sehe. Musikalisch kann es, vor allem bei mir, noch besser werden, ein paar mehr Tonträger, eine Tour, sowieso genug Konzerte könnten es schon sein. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn die Disasters noch etwas bekannter würden, mehr Leute zu unseren Konzerten kommen und wir noch mehr positive Resonanz bekommen. Mehr rumkommen und mehr Leute kennen lernen. Im Ausland würde ich gerne mal touren
Nik: Wie sieht’s denn im Moment aus in Sachen Tour&Platten?
Martin: Nun, unsere Debüt-EP “Smile Till You Die” ist ja im November auf Campary Records erschienen und dort werden wir denke ich in nächster Zeit auch wieder was mache. Aber was Konkretes gibt es da noch nicht. Im Mai werden wir zwei kleine Mini-Touren machen (Daten unter www.the-disasters.de) und wenn alles gut geht, vielleicht noch mal im September ne größere Tour. Das steht aber noch nicht fest. Sonst, wer ein Konzert mit uns machen will kann sich gerne bei mir melden